Adrenalin bei 14 Knoten

Die heute in vielen Gärten verwendeten Sonnensegel erinnern nicht nur von der Form und vom Namen her an den Segelsport.
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onne-Licht-Schatten hat aus diesem Anlass die erfolgreichste österreichische Seglerin nach ihrem Gespür für Wind und Wasser gefragt. Tanja Chiara Frank, 1993 in Wien geboren, nahm bereits mit fünf Jahren an ihrer ersten Regatta am Neusiedler See teil. Sie wurde Jugendweltmeisterin, Vize-Europameisterin und gewann in Rio bei Olympia mit Thomas Zajac die Bronzemedaille in der Bootsklasse Nacra 17.

Sie waren bereits im Alter von 2 ½ Jahren allein in einem Segelboot der Klasse Optimist unterwegs. Wie viel Zeit verbringen Sie heute durchschnittlich auf dem Wasser?
Tanja Frank: Sicher 250 Tage im Jahr. Wenn wir nicht gerade an einer Regatta teilnehmen, steht Training auf dem Programm.
Nachdem ich beispielsweise über Weihnachten zu Hause war, sind wir bereits am 6. Januar nach Miami geflogen.

Was macht den größten Unterschied zwischen einer guten und einer Weltklasse-Seglerin aus? Gespür für den
Wind? Kraft? Beweglichkeit? Strategisches Denken?
Es sollte alles dabei sein, eine gute Mischung macht es aus. Allen voran ist es aber die Freude am Segeln, die gegeben sein muss, um auch erfolgreich sein zu können.

Aus welchem Material sind Segel heutzutage in Ihrem Sport? Kann man mit der Wahl des Segels entscheidende Vorteile bei der Regatta erreichen?
Es kommen One-Design-Segel zum Einsatz, die mit modernster Technologie und nach den Klassenvorschriften hergestellt werden. Ganz gleich sind die Segel trotzdem nicht und daher können auch kleine Unterschiede zu einem Vorteil führen. Im Laufe einer Regatta werden mehrere Segel verwendet.

Was hat ein Sonnensegel mit Segeln zu tun?

Tatsächlich wurde das Sonnensegel vom Schiffssegel abgeleitet. Das Canvas-Material entspricht jenem von Segeln. Durch die spezielle Faser bindet es kein Wasser, trocknet sehr schnell und verringert damit das Entstehen von Wasserfl ecken und Schimmel. Die hohe Reißfestigkeit trotz relativ geringem Gewicht macht es optimal für die Anwendung im Sonnenschutz. Denn spezielle  Sturmsegel halten einer Windgeschwindigkeit von über 100 km/h stand. Sie könnten also mit Ihrem Sonnensegel tatsächlich in See
stechen. Wenn Sie das entsprechende Boot dafür haben ...

"Allen voran ist es aber die Freude am Segeln, die gegeben sein muss, um auch erfolgreich sein zu können."

Wie schützt man sich auf dem Boot vor der Sonneneinstrahlung?
Die Sonnencreme darf natürlich nicht fehlen, sie ist der beste Schutz. Oftmals tragen wir auch lange Bekleidung, um die Haut zu schützen.

Bei welchen Windbedingungen sind Sie selbst am liebsten unterwegs?
Am liebsten sind mir 14 Knoten und kaum Wellen. Bei dieser Geschwindigkeit verspüre ich einen Adrenalinschub, es ist aber noch nicht so gefährlich. Es ist das richtige Maß an Anspannung.

Wo liegt Ihr bevorzugtes „Revier“?
Ich bin einfach gerne dort, wo es sonnig ist.

Wind und Wetter werden gerade im Sommer auch in unseren Breiten offenbar
extremer. Merken Sie das als Seglerin und erfordert das nun bessere Planung?
Wir sind an viele verschiedene Witterungsbedingungen gewöhnt, an der Planung ändert sich deshalb kaum etwas. Wir richten uns nach den vorgeschriebenen Terminen und müssen das Wetter so nehmen, wie es kommt.

Wie geht es bei Ihnen nach der erfolgreichen Olympia-Teilnahme und der Bronzemedaille in Rio weiter? Was sind Ihre Ziele für 2018?
Ich bin nach den Spielen in Rio umgestiegen und nun selbst als Steuerfrau in der 49erFX-Klasse unterwegs. Gemeinsam mit meiner Vorschoterin Lorena Abicht wollen wir uns stetig verbessern und jeden Trainingstag bestmöglich nützen. Wir wollen in diesem Jahr das Nationenticket für die nächsten Olympischen Spiele bei der Weltmeisterschaft im August in Aarhus holen. Dieses Ziel hat für uns oberste Priorität.

Und wo liegt Ihr liebstes Schattenplatzerl im Sommer?
Das ist mit Sicherheit unter einer Palme!

© GEPA pictures/Matthias Mandl (2x)